Paläste
Kadyny (Cadinen), Ermland-Masuren
Das Schloss Cadinen (polnisch Pałac w Kadynach) ist ein barockes Gutshaus von 1688 am Frischen Haff, das 1898 an Kaiser Wilhelm II. fiel und zu seiner Sommerresidenz wurde. Rund um das Schloss entstand ein kaiserliches Mustergut mit Ställen, Scheune, Brennerei und der berühmten Majolika-Manufaktur. Heute gehören Schloss und Gutshof zu einem Hotelkomplex – doch Cadinen (Kadyny) ist noch immer einer der lohnendsten Stopps an der Panoramastraße von Elbing nach Frauenburg.
Cadinen wird 1255 als „terra Kadinensis“ erwähnt, nahe einer alten prußischen Burg. Ab 1415 gehörte das Gut der Familie von Baysen – nach Johannes von Baysen ist die uralte Eiche an der Straße benannt –, später den Grafen von Schlieben, General von Schwerin und ab 1817 der Familie Birkner. Das Herrenhaus entstand 1688: ein rechteckiger Bau mit Mansarddach und Gauben, dessen Mittelrisalit ein Dreiecksgiebel mit den Wappen von Wilhelm Friedrich Karl von Schwerin und seiner Frau krönt.
Arthur Birkner vermachte das Gut dem Kaiser. Wilhelm II. kam am 2. Juni 1899 zum ersten Mal und soll Cadinen den schönsten Flecken seiner Monarchie genannt haben. Das heruntergekommene Gut wurde nach Plänen Berliner Architekten umgebaut, die Wälder als Jagdrevier geschützt, und Anfang des 20. Jahrhunderts entstand die Cadiner Majolika-Werkstatt. Ihre Fliesen schmücken bis heute Berliner U-Bahnhöfe und den Alten Elbtunnel in Hamburg. Dazu kam ein Gestüt für Trakehner und Holsteiner.
Bis 1944 lebte hier Prinz Louis Ferdinand von Preußen, ein Enkel des Kaisers; seine Tochter Kira kam 1943 in Cadinen zur Welt. Im Februar 1945 besetzte die Rote Armee den Ort, die deutschen Bewohner wurden vertrieben, aus Cadinen wurde Kadyny.
Schloss und Gutshof gehören zum Kadyny Folwark Hotel & SPA – ein Museum mit Öffnungszeiten und Eintritt gibt es nicht. Ob Besucher ohne Übernachtung Schloss, Park oder Stallungen betreten dürfen, konnten wir nicht bestätigen. Schau dir die Gebäude von außen an und frag an der Rezeption (Kadyny 18, Tel. +48 55 231 61 20) nach Kutschensammlung oder Reitangeboten. Eiche, Lehrpfad und Klosterumgebung sind ganzjährig frei zugänglich.
Für Eiche, Lehrpfad, Kloster und Aussicht solltest du 1,5–2 Stunden einplanen. Im Winter kann der Pfad rutschig sein, stellenweise gibt es Treppen.
Cadinen liegt etwa 23 km nördlich von Elbing (Elbląg) an der Woiwodschaftsstraße 503, die am Haff entlang nach Tolkemit (Tolkmicko) und Frauenburg (Frombork) führt. Von Berlin sind es bis Elbing rund 550 km, von Danzig (Gdańsk) bis Cadinen etwa 85 km. Über die Elbinger Höhe verläuft auch der Radfernweg Green Velo.
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Geprüft: Oktober 2026