Natur
Posen, Großpolen
Im Vorfrühling färben sich die Hänge des ehemaligen Schlossparks in Radojewo am Nordrand von Poznań gelb vom Winterling – einer Pflanze, die einst aus dem Schlossgarten verwildert ist. Einige Wochen später leuchtet der Waldboden violett und weiß vom blühenden Lerchensporn, dem der Ort seinen Namen verdankt: Kokoryczowe Wzgórze, der Lerchensporn-Hügel. Unter den Bäumen verbergen sich außerdem eine künstliche Ruine, der Familienfriedhof der früheren Besitzer und geschützte Platanen.
Ab Mitte des 13. Jahrhunderts gehörte Radojewo mehr als 500 Jahre lang dem Zisterzienserinnenkloster in Owińska am anderen Ufer der Warthe. Nach der dritten Teilung Polens beschlagnahmten die preußischen Behörden den Klosterbesitz, den der Berliner Bankier Sigismund Otto von Treskow erwarb. 1825 ließ er für seinen Sohn Heinrich ein Schloss auf der Hangkante über dem Warthetal bauen, durch eine Sichtachse mit dem Schloss in Owińska verbunden; der Entwurf wird Karl Friedrich Schinkel zugeschrieben. Die Familie lebte hier bis 1945.
Um das Schloss legte der königliche Gartendirektor aus Potsdam, Peter Joseph Lenné, einen romantischen Landschaftspark von rund 15 Hektar an. Nach damaliger Mode erhielt er eine künstliche Ruine, eine Kapelle und einen Familienfriedhof. Radojewo wurde 1987 nach Poznań eingemeindet. Das Schloss gehört der Stadt und steht seit 2004 leer, die Fenster sind zugemauert; den Park verwaltet die Oberförsterei Łopuchówko.
Durch den Park führt der Lehrpfad „Auf der Suche nach grüner Energie“ – 1,5 km lang, mit 9 Stationen. Im Frühling hört man trommelnde Spechte, Kleiber, Amseln und Kohlmeisen, an den Waldteichen Grasfrösche. Auf dem Weg sonnen sich manchmal Blindschleichen oder Ringelnattern.
Am 13. Dezember 1806 ritt Napoleon Bonaparte durch Radojewo, um das Kloster in Owińska zu besichtigen. Laut dem Bericht von Dezydery Chłapowski blieb der Kaiser mit seinem Pferd beinahe im Schlamm stecken, ehe er mit der Fähre über die Warthe setzte. Am 29. Juli 2023 wurde an der Stelle der alten Fähre eine Fuß- und Radbrücke zwischen Radojewo und Owińska eröffnet. Seit den 1990er-Jahren fordern Naturschützer, den Park als Naturschutzgebiet auszuweisen.
Die beste Zeit sind Vorfrühling und früher Frühling – die Blüte hängt vom Wetter ab, verfolgen Sie also die Hinweise der Förster. Für den Lehrpfad sollten Sie etwa eine Stunde einplanen. Das Gelände ist hügelig, manche Wege sind steil und nach Regen schlammig – festes Schuhwerk ist ratsam, mit dem Kinderwagen kommt man nicht überall durch. Verlassen Sie für Blumenfotos nicht die Wege und pflücken Sie nichts. Das Schloss bitte nur von außen betrachten – es steht seit Jahren leer und verfällt. Der Spaziergang lässt sich gut über die Brücke nach Owińska verlängern.
Eintritt frei
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