Kirchen & Klöster
Żarnowiec, Pommern
Am 10. August 1946 trafen im verlassenen Kloster über dem Żarnowiec-See zwölf Benediktinerinnen aus Wilna ein — mit wenig Habe und einer einzigen Ziege. Sie belebten einen Ort neu, an dem seit 1866 keine Nonne mehr gelebt hatte, dessen Geschichte aber bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückreicht. Heute ist die Benediktinerinnenabtei Żarnowiec eine der ältesten Klosteranlagen Pommerns und zugleich eine lebendige Gemeinschaft, die Besuchern den gotischen Kreuzgang und das Klostermuseum, die sogenannte Schatzkammer, öffnet.
1215 erhielten die Zisterzienser aus Oliva das Dorf Żarnowiec durch herzogliche Schenkung und gründeten hier ein Zisterzienserinnenkloster. Die Schwestern datieren die Gründung auf 1240–1245, manche Studien nennen 1235. Herzog Mestwin II. bestätigte die Stiftung 1279. Die Kirche entstand im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts und wurde nach 1389 auf Betreiben der Olivaer Zisterzienser vergrößert.
Das Mittelalter verschonte das Kloster nicht: 1433 kamen die Hussiten, 1440 raffte eine Seuche elf Schwestern dahin, und im Dreizehnjährigen Krieg plünderten Söldner des Deutschen Ordens die Güter. 1462 wurde am Żarnowiec-See auf Klosterland die Schlacht bei Świecino geschlagen; der Überlieferung nach wurde der gefallene Ordenskommandant Fritz von Raveneck in der Klosterkirche bestattet. 1589 schickte die Kulmer Äbtissin Magdalena Mortęska auf Bitten des Bischofs von Włocławek sieben Benediktinerinnen, und die letzten drei Zisterzienserinnen verließen das Kloster. Preußen säkularisierte 1772 die Güter, hob die Abtei 1834 formell auf, und die letzte hier lebende Nonne starb 1866. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen nach 80 Jahren Unterbrechung die Schwestern aus Wilna unter Priorin Edyta Samuk das Kloster.
In den ersten Nachkriegsjahren arbeiteten die Schwestern in der Landwirtschaft und trockneten Torf als Brennstoff. Edyta Samuk wurde 1960 zur zwölften Äbtissin in der Geschichte der Abtei gewählt. Bis 1996 beteten die Nonnen im Sommer im Chor und im Winter in einem winzigen Oratorium unter dem Dach; erst dann wurde eine neue Kapelle geweiht. 2016–2019 erhielt die Anlage eine gründliche „Jahrhundertsanierung“. Ein Teil der historischen Bestände ist auch online in der Baltischen Digitalen Bibliothek zu sehen.
Die Abtei liegt in der ul. Klasztorna 1 in Żarnowiec (Gemeinde Krokowa). Nach Angaben der Schwestern ist die Schatzkammer nur in der Sommersaison ohne Voranmeldung geöffnet, dienstags bis samstags von 16:00 bis 17:30 Uhr, ausgenommen einige Feiertage. Sonntags und montags sowie im Advent und in der Fastenzeit bleibt sie geschlossen. Größere Gruppen sollten den Termin vorab telefonisch oder per E-Mail abstimmen, damit er nicht mit Gebetszeiten und Gottesdiensten kollidiert. Einige Räume, der Garten im Kreuzganghof und der Obstgarten bleiben wegen der Klausur verschlossen. Im Sommer verkauft ein kleiner Laden Erzeugnisse der Schwestern — Gebäck, Salben und handbemalte Kerzen. Für Kirche, Kreuzgang und Schatzkammer sollten Sie etwa eine Stunde einplanen.
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