Natur
Thorn, Kujawien-Pommern
Barbarka ist ein Waldgebiet am nordwestlichen Stadtrand von Thorn (Toruń) — Naherholungsort und zugleich eine der wichtigsten Gedenkstätten Pommerellens. Rund 7 km von der Altstadt entfernt findest du hier eine Fachwerkkapelle der heiligen Barbara, eine Waldsiedlung mit Kletterpark, Wegen und Waldschule sowie das Denkmal für die etwa 600 Polen, die im Herbst 1939 von deutschen Einheiten ermordet wurden. Ein Ort für Familienspaziergänge, Radtouren und stilles Gedenken.
Seit dem Mittelalter pilgerten Gläubige zur Kapelle der heiligen Barbara; die heutige Fachwerkkapelle stammt von 1842. Daneben liegt ein kleiner Friedhof.
Im Herbst 1939 wurde Barbarka zum Schauplatz eines Verbrechens, das zur deutschen Geschichte gehört und hier offen benannt werden muss: Im Rahmen der sogenannten Intelligenzaktion erschossen SS-Männer und Angehörige des „Volksdeutschen Selbstschutzes“ ab dem 28. Oktober 1939 bis in den Dezember hinein Polen aus Thorn und der Region — vor allem Angehörige der Intelligenz und der regionalen Führungsschicht, die zuvor im Fort VII gefangen gehalten worden waren. Polnische Historiker gehen von mindestens 600 Opfern aus; die meisten sind namenlos. 1944 öffneten die Täter die Massengräber und verbrannten die Leichen, um die Spuren zu verwischen.
Polnische Exhumierungen begannen 1945; im Oktober 1946 wurden aus einem Grab die sterblichen Überreste von 87 Menschen geborgen, 13 davon identifiziert, und auf einem städtischen Friedhof in Thorn bestattet. Gauleiter Albert Forster wurde 1948 von einem polnischen Gericht verurteilt. Von den unmittelbar an den Erschießungen Beteiligten musste sich jedoch niemand vor Gericht verantworten — der Lagerkommandant von Fort VII, Karl Friedrich Strauss, wurde 1969 in West-Berlin freigesprochen.
Das Denkmal „Zu Ehren der Ermordeten“ — eine Granitskulptur von Marian Molenda — wurde am 28. Oktober 2009 enthüllt; Tafeln nennen die bekannten Namen der Opfer, Markierungen zeigen die Massengräber. Jedes Jahr Ende Oktober findet eine Gedenkfeier mit Messe statt. Bitte verhalte dich hier still und respektvoll.
Das Freizeitzentrum betreibt die Waldschule Barbarka (Szkoła Leśna, Verein „Tilia“, ul. Przysiecka 13): eine Lichtung mit Unterständen, Picknickbänken, Spielplatz und Teich, dazu ein Kletterpark, Feuerstellen, Rad- und Lehrpfade und die 2019 eröffnete „Waldhütte“ für Umweltbildung. Öffnungszeiten und Preise des Kletterparks für den Winter 2026/27 konnten wir nicht bestätigen.
Der Wald ist frei zugänglich. Für Lichtung, Kapelle und Denkmal solltest du 1,5–3 Stunden einplanen. Laut Waldschule fährt ein direkter Stadtbus (MZK) nach Barbarka — Linie und Fahrplan prüfst du auf der MZK-Website. Viele kommen mit dem Rad. Einen offiziellen Parkplatz konnten wir nicht bestätigen. Im Winter sind die Tage kurz, im Wald wird es früh dunkel. Thorn selbst erreichst du von Danzig (Gdańsk) über die A1 (rund 170 km) oder von Berlin über Posen (Poznań).
Lohnt sich das? Ja — gerade für Besucher aus Deutschland ist Barbarka ein wichtiger Ort, um die Geschichte der Region jenseits der gotischen Altstadt zu verstehen.
Die Waldschule bietet unter anderem naturkundliche Workshops mit Wanderung in das nahe Naturschutzgebiet Las Piwnicki an. Außerdem führt ein Wanderweg von Bielany über Barbarka Richtung Przysiek — so lässt sich der Besuch gut mit einer längeren Wander- oder Radtour verbinden.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026